Die Studie der Initiative zukunft.lehre.österreich. zeigt ein schlechtes Stimmungsbild am Lehrstellenmarkt. Mit der Corona-Krise hat sich auch der Lehrlingsmangel verschärft. Während historisch hoher Arbeitslosenzahlen finden heimische Unternehmen nicht genügend Lehrlinge. Um Abhilfe zu schaffen, gibt es konkrete Forderungen an Bildungsminister Werner Faßmann.

Falsche Einschätzung von Schülern, Eltern und Lehrern
Die repräsentative Studie, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut market, liefert spannende Erkenntnisse zu den geringen Bewerberzahlen. Unter Schülern, Eltern und Lehrern herrsche die Annahme, dass es zurzeit schwierig wäre, eine Lehrstelle zu bekommen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall! Kurz- und mittelfristig stehen in Österreichs Betrieben über 18.000 Lehrstellen frei.

Rückgang der Lehrlingszahlen
Die Zahl der Lehrlinge ist 2020 um 0,6 Prozent auf 108.416 zurückgegangen. Hauptbetroffen war das erste Ausbildungsjahr, wo 5,6 Prozent weniger Lehrlinge starteten, nämlich nur 31.989. Abgefedert wurde dieser Rückgang durch die überbetriebliche Lehrausbildung, wo 2020 ein Anstieg von 20 Prozent zu verzeichnen war. Ohne diese Abfederung läge das Minus bei den Lehranfängern bei 8,2 Prozent. Besonders betroffen war der Bereich Industrie und Freiheitwirtschaft.

Experten der Wirtschaftskammer schätzen, dass die Hälfte des Rückgangs auf Corona zurückzuführen ist. Die andere Hälfte sei aber unabhängig von Corona und eine Folge der fehlenden Kinder und politischen Anreizmaßnahmen in Sachen Lehre. Ja, die Corona-Maßnahmen der Regierung verschärften das Problem sogar. Trotz Nichtgenügend durften und dürfen Schüler letztes Jahr und heuer aufsteigen. Damit habe es am Lehrlingsmarkt weniger Schulabbrecher gegeben, Lehrlinge, die grundsätzlich zum oberen Ausbildungspotenzial zählen.

Ausbilder-News

Langfristige Folgeschäden
Problematisch ist auch der fehlende Kontakt zu den Schülern. Durch die Schulschließungen, fehlenden Berufsinformationsmessen, ausgesetzten Schnuppertage konnten sich weder Unternehmen um Lehrlinge bemühen noch umgekehrt Schüler die Welt des Lehrberufs kennenlernen. In letzter Konsequenz blieben die Schüler dann einfach in der Schullaufbahn.

Dass Berufsorientierung im Heimunterricht nicht den Stellenwert genießt, der ihr gebührt, war auch ein Ergebnis der Lehrlingsstudie. Abhilfe soll eine strukturierte und qualitativ hochwertige Eingangsphase in die Lehre für alle angehenden Lehrlinge schaffen. Aus diesem Grund fordert die Initiative zukunft.lehre.österreich. die österreichische Bundesregierung auf, folgende Maßnahmen dringend umzusetzen:

  • Bildungsminister Faßmann hat alles Notwendige zu unternehmen, dass Berufsorientierung trotz distance learning höchste Priorität im Unterricht in den (Mittelschulen und Polytechnischen) Schulen bekommt, um einen Kollaps am Lehrstellenmarkt durch ausbleibende Bewerbungen zu vermeiden.
  • Aufstiegsklauseln für negative Schulabschlüsse wie im Covid-19-Jahr ziehen fatale Folgen für den Lehrlingsmarkt nach sich. Auch hier wird Bundesminister Faßmann ersucht, dafür zu sorgen, dass sich diese Situation nicht noch einmal wiederholt. In dieser Situation gibt es auf allen Seiten nur Verlierer – Schüler, Schulen, Eltern, Lehrer und Betriebe.
  • Die österreichischen Betriebe suchen händeringend nach Lehrlingen. Die Bundesregierung ist gefordert, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um auf das Lehrstellen-Überangebot hinzuweisen und das Image der Lehre aufzuwerten.

Meistgelesen