Effektivität ist jetzt ein Must im Marketing. Die Zeiten von Trial and Error wenden sich zum Do and Succeed, sagt Katharina Sigl, Mitinitiatorin der Initiative Lernen aus der Krise und Fachexpertin Marketing.

#lernenausderkrise ist Österreichs erste Corona Deep Dive Learning Initiative über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen. Was hat Sie dazu bewogen, bei dem Projekt mitzuwirken?

Neben meiner Rolle als Gründerin der Initiative gehört mein Herz dem Marketing. Eine Disziplin, die sich nicht nur durch Corona in einer intensiven Veränderung – beinahe in einem Selbstfindungsprozess – befindet.

Vor diesem Hintergrund verlief jedes Interview in einem mehrdimensionalen Spannungsbogen und brachte eine Vielzahl an neuen Erkenntnissen an die Oberfläche. So hat sich beispielsweise durch diese Krise die Orientierung im Marketing fast über Nacht verändert. Was das im operativen Alltag bedeutet, waren interessante Learnings.

Unterschiedliche Branchen sind auch unterschiedlich stark von der Krise betroffen: Welche Stimmung konnten Sie bei Ihren Interviews wahrnehmen?

Die Stimmung war durchwachsen. Viele Interview-PartnerInnen standen unter großem, auch zeitlichem Druck. Insbesondere Unternehmen, die normalerweise ihre Bezugsgruppen auf Live-Events finden, standen unter Strom. Tägliche Planänderungen führten zu großen Verunsicherungen und hatten einen deutlichen Einfluss auf den Entscheidungsfindungsprozess.

Insbesondere der erste Lockdown im März stellte Unternehmen vor große Herausforderungen, Flexibilität und Innovation waren die großen Schlagworte. Wie kamen die von Ihnen befragten Unternehmen mit diesen Punkten zurecht?

Der Umgang damit stellte sich ebenfalls sehr unterschiedlich dar und konnte nicht auf die Unternehmensgröße zurückgeführt werden. Vielmehr konnte ich Merkmale von Organisationen feststellen, die ich heute zu den vier Unternehmenstypen der Krise zählen würde. Menschen, die die Krise als Chance für neue Produkte und Dienstleistungen erkannt und genutzt haben, hatten sicher die Nase vorn. Klassische Stier-an-den-Hörner-Packer, eben!

Gibt es eine außergewöhnliche Geschichte aus der Praxis, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und die Sie mit uns teilen können?

Außergewöhnlich würde ich die Menschen bezeichnen, mit denen ich gesprochen habe. Über 90% der Interview-PartnerInnen kannte ich zuvor nicht und trotzdem bildete sich sehr schnell eine Vertrauensebene, die ich so schon lange nicht mehr in einem beruflichen Umfeld erlebt habe. Die emotional neue Lage, in die uns diese Krise versetzt hat, hat dazu geführt, dass wir offener geworden sind. Ich hoffe sehr, dass wir uns die neue Qualität des Miteinander erhalten können.

Mit der Initiative soll auch eine gegenseitige Unterstützung geschaffen werden – Unternehmen teilen ihre Erfahrungen, damit auch andere davon lernen können. Haben Sie den Eindruck, die Wirtschaft ist durch die Krise näher zusammengerückt?

Immer dann, wenn es einen Feind gibt – und ich würde das Virus salopp als Feind bezeichnen –, spürt man so etwas wie ein Zusammenrücken. Das sollte aber nicht zu Naivität führen, denn es gelten noch immer dieselben Marktgesetze wie zuvor. Gemeinsam an einem neuen System zu arbeiten, wäre für mich ein Zusammenrücken der neuen Art.

Eine neue Offenheit voneinander zu lernen, scheint wirklich da zu sein. Jetzt braucht es vor allem Plattformen, um dieses Lernen einerseits in Lehren zu verwandeln und andererseits neu anzuwenden, damit Unternehmen davon profitieren.

Was macht die Erkenntnisse, die Sie bei Ihren Interviews gewinnen konnten, auch für andere Krisen so nützlich?

Die Nützlichkeit beginnt bereits bei der Reflexion, konkret im Interview. Wenn es gelingt, das Handeln von Menschen und Organisationen zu reflektieren und strukturiert zu dokumentieren, ist in herausfordernden Situationen ein Rückgriff möglich. Zu wissen, welche Maßnahmen mehr oder weniger hilfreich waren, kann immer einen Impuls setzen, um neue Ideen für neue Maßnahmen oder Aktionen zu setzen. Auf Erfahrungen und auf Gelerntes zurückzugreifen, schafft das Fundament für ein resilientes Verhalten.

Warum sollte das Arbeitsbuch „Lernen aus der Krise“ Ihrer Meinung nach in keinem österreichischen Unternehmen fehlen?

Für alle, die in Krisenzeit schnell und unkompliziert einen Überblick zu ihren Handlungsoptionen erhalten wollen, ist das Buch ein Must. Für alle, die sich und ihr Unternehmen zukunfts-fit aufstellen wollen, ebenso. Ein Turbo-Boost für alle herausfordernden Situationen.

 

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