Elisabeth Petracs

Jene Unternehmen, die die Krise als Chance sehen, konnten mit Kreativität, Mitarbeiter- und Kundeneinbindung rasch ein angepasstes Produktportfolio zur Verfügung stellen. Bei jenen Unternehmen, die bereits ein digitales Geschäftsmodell hatten, ist die Workload und Nachfrage sogar gestiegen. Sie konnten neue Kundengruppen erschließen bzw. zusätzlichen Kundennutzen liefern, sagt Elisabeth Petracs, Expertin für Kundenzentriertes Prozessmanagement.

#lernenausderkrise ist Österreichs erste Corona Deep Dive Learning Initiative über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen. Was hat Sie dazu bewogen, bei dem Projekt mitzuwirken?

Elisabeth Petracs: Ich habe Wissensmanagement studiert, deshalb ist für mich die Weitergabe von Learning speziell aus der COVID-19-Krise von Anfang an ein spannendes Projekt gewesen, wo ich gerne dabei sein wollte.

Unterschiedliche Branchen sind auch unterschiedlich stark von der Krise betroffen: Welche Stimmung konnten Sie bei Ihren Interviews wahrnehmen?

Elisabeth Petracs: Ich habe Aufbruchstimmung wahrgenommen. Sowohl direkt bei den Interviewpartnern als auch aus den Erzählungen wurde deutlich: Hier sind Menschen, die anpacken möchten und die in der Krise die Chancen suchen. Außerdem habe ich eine große Offenheit und Bereitschaft erlebt, Erfahrungen und Learnings zu teilen.


Insbesondere der erste Lockdown im März stellte Unternehmen vor große Herausforderungen, Flexibilität und Innovation waren die großen Schlagworte. Wie kamen die von Ihnen befragten Unternehmen mit diesen Punkten zurecht?

Elisabeth Petracs: Obwohl in vielen Unternehmen Kurzarbeit angesagt war, haben alle Interviewpartner von großem Mitarbeiter-Engagement während der ersten Krisentage berichtet. Es wurden sehr rasch neue Ideen umgesetzt, um die Umsatz-Rückgänge der Unternehmen so gering wie möglich zu halten bzw. neue Umsatz-Potenziale zu eröffnen. Jene Unternehmen, die die Krise als Chance sehen, konnten mit Kreativität, Mitarbeiter- und Kundeneinbindung rasch ein angepasstes Produktportfolio zur Verfügung stellen. Bei jenen Unternehmen, die bereits ein digitales Geschäftsmodell hatten, ist die Workload und Nachfrage sogar gestiegen. Sie konnten neue Kundengruppen erschließen bzw. zusätzlichen Kundennutzen liefern.


Gibt es eine außergewöhnliche Geschichte aus der Praxis, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und die Sie mit uns teilen können?

Elisabeth Petracs: Mir gefällt besonders die Geschichte von VirtRegio. Dieses Unternehmen wurde während der Krise gegründet und hat zum Ziel, heimische Betriebe zu stärken, indem sie ihre Web-Präsenz entsprechend verbessern. Durch den Einsatz von 360°-Kameras werden virtuelle Rundgänge ermöglicht. Die Angebotspräsentation erfolgt durch die Angestellten in kurzen Videos. Im Beispiel eines Ab-Hof-Vermarkters kann im Zuge des virtuellen Rundganges sogar direkt die Ware in den Warenkorb gelegt werden. Die Lieferung erfolgt am kürzesten Weg direkt nach Hause. Das stärkt heimische Betriebe und sichert Arbeitsplätze.

Mit der Initiative soll auch eine gegenseitige Unterstützung geschaffen werden – Unternehmen teilen ihre Erfahrungen, damit auch andere davon lernen können. Haben Sie den Eindruck, die Wirtschaft ist durch die Krise näher zusammengerückt?

Elisabeth Petracs: Ja, auf jeden Fall. Die Bereitschaft, Erfahrungen und Learnings zu teilen, ist sehr groß. Das sieht man in sozialen Netzwerken wie beispielsweise auf LinkedIn oder bei den zahlreichen meet-ups, die während dieser Zeit alle in den virtuellen Raum gewandert und damit noch leichter zugänglich geworden sind.


Was macht die Erkenntnisse, die Sie bei Ihren Interviews gewinnen konnten, auch für andere Krisen so nützlich?

Elisabeth Petracs: Die Corona Krise wirkt wie ein Vergrößerungsglas auf das natürliche Verhalten von Unternehmen. Jene Unternehmen, die das kreative Potenzial ihrer Mitarbeiter nutzen und das Ohr an den Kundenbedürfnissen haben, sind gut aufgestellt für die Zukunft und stärken so die unternehmerische Resilienz.


Warum sollte das Arbeitsbuch „Lernen aus der Krise“ Ihrer Meinung nach in keinem österreichischen Unternehmen fehlen?

Elisabeth Petracs: Hier bekommen Sie einen authentischen 360°-Blick auf österreichische Unternehmen quer über alle Branchen. Die praxisorientierte Aufbereitung mit den wichtigsten Erkenntnissen pro Kapitel ganz zu Beginn und nützlichen Checklisten am Ende helfen Ihnen themensortiert gezielt an neue Herausforderungen oder Fragestellungen heranzugehen. Scheuen Sie sich nicht die Experten persönlich zu kontaktieren, wenn Sie den Austausch suchen oder ein Thema vertiefen möchten.

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