Besonders in Krisenzeiten wie der COVID-Pandemie ist es eine große Herausforderung für die Immobilieneigentümer den Interessenausgleich der Kapitalgeber und der Mieter zu bilden. Derjenige der kreativ die Gegenwart mit Blick auf die Zukunft gestaltet, wird sich antizyklisch entwickeln und Vorteile am Markt erzielen können, sagt Gerhard Haumer. Er ist gerichtlich beeideter Sachverständiger, hat in Österreich die Ausbildung im Immobilienbereich maßgeblich mitinitiiert, ist Vortragender und Prüfer bei diversen Aus- und Weiterbildungslehrgängen und ist als Autor von Büchern und Fachvorträgen zum Thema „Immobilienmanagement“ und „Facility Management“ tätig.

#lernenausderkrise ist Österreichs erste Corona Deep Dive Learning Initiative über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen. Was hat Sie dazu bewogen, bei dem Projekt mitzuwirken?

Gerhard Haumer: Die Hoffnung, dass damit vorbeugende Risikomaßnahmen mehr an Bedeutung finden und die Lerneffekte insbesondere in der Immobilienbranche mehr beachtet werden. Darüber hinaus haben der Lockdown und die Folgen daraus für die zukünftige Ausstattung der Immobilien große Auswirkungen.

Unterschiedliche Branchen sind auch unterschiedlich stark von der Krise betroffen: Welche Stimmung konnten Sie bei Ihren Interviews wahrnehmen?

Gerhard Haumer: Die gewerbliche Immobilienbranche und die dazugehörigen Dienstleister sind großteils als systemrelevant zu bezeichnen. Die Stimmung war derzeit noch sehr optimistisch, wobei sich in erster Linie die Eigentümer bereits auf eigenkapitalbildende Maßnahmen vorbereiten und sich für die ungewisse Zeit der weiteren Pandemie und die Zeit danach rüsten.

Insbesondere der erste Lockdown im März stellte Unternehmen vor große Herausforderungen, Flexibilität und Innovation waren die großen Schlagworte. Wie kamen die von Ihnen befragten Unternehmen mit diesen Punkten zurecht?

Gerhard Haumer: Großteils waren die befragten Unternehmen sehr gut in den Bereichen IT vorbereitet, die notwendige Flexibilität bei den Arbeitnehmern musste mehrheitlich erst geschaffen werden, funktionierte aber sehr gut.

Gibt es eine außergewöhnliche Geschichte aus der Praxis, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und die Sie mit uns teilen können?

Gerhard Haumer: Die Implementierung der Homeoffice-Möglichkeiten ist in der Immobilienbranche nach wie vor eine Ausnahme und stellte die Führungskräfte vor neue Herausforderungen, mehr als gedacht, weil diese neu erarbeitet werden mussten.

Mit der Initiative soll auch eine gegenseitige Unterstützung geschaffen werden – Unternehmen teilen ihre Erfahrungen, damit auch andere davon lernen können. Haben Sie den Eindruck, die Wirtschaft ist durch die Krise näher zusammengerückt?

Gerhard Haumer: In der Wertschöpfungskette in der Immobilienbranche – vom Eigentümer über die Asset Manager bis hin zu den Property und Facility Managern – ist dies überall hervorgehoben worden.

Was macht die Erkenntnisse, die Sie bei Ihren Interviews gewinnen konnten, auch für andere Krisen so nützlich?

Gerhard Haumer: Die Bedeutung von Risikomanagement, vor allem für noch nicht eingetretene Vorkommnisse, ist gestiegen und wird zukünftig vermehrt implementiert.

Warum sollte das Arbeitsbuch „Lernen aus der Krise“ Ihrer Meinung nach in keinem österreichischen Unternehmen fehlen?

Gerhard Haumer: Das Lernen aus der Praxis und aus den Erfahrungen und Maßnahmen von anderen Unternehmen und Branchen kann zukünftig ein Wettbewerbsvorteil sein.

New call-to-action

   

Meistgelesen