Andrea Pramböck

Dr. Andrea Pramböck verfügt über langjährige Erfahrung im Management von Großprojekten – einerseits aus der Linie kommend und andererseits aus Sicht des erfahrenen Beraters. Den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit bilden große Transformationen – entweder im Finanzbereich oder im Public Sektor – wobei sie die Themen immer ganzheitlich mit der Business und IT Brille, integrativ in Unternehmen umsetzt. Data Governance – die Verbindung zwischen Business und IT spielt hierbei immer eine zentrale Rolle. Ihre Arbeit wird durch ihr mehr als 20-jähriges Fach- und Datenbankwissen abgerundet. Aktuell fungiert Dr. Pramböck als Director bei der KMPG Advisory GmbH.

#lernenausderkrise ist Österreichs erste Corona Deep Dive Learning Initiative über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen. Was hat Sie dazu bewogen, bei dem Projekt mitzuwirken?

Andrea Pramböck: Ganz besonders wichtig ist es meiner Ansicht nach, in einer Pandemie, die in diesem Ausmaß seit langem die erste für viele von uns war, möglichst rasch gemeinsam aus unterschiedlichen Perspektiven die Krise zu beleuchten, um Learnings, aber auch Chancen daraus zu ziehen. Learnings und auch Chancen, die in unterschiedlichen Settings und Zeiträumen gleich umge-setzt werden können. Hier war für mich diese Initiative eine großartige Chance, gemeinsam mit anderen Experten etwas zu schaffen, das diesen Weg einläutet, begleitet und auch der Anstoß für eine Umsetzung sein kann.

Unterschiedliche Branchen sind auch unterschiedlich stark von der Krise betroffen: Welche Stimmung konnten Sie bei Ihren Interviews wahrnehmen?

Andrea Pramböck: Generell ein großes Miteinander und auch ein Verständnis für die anderen Branchen. Dieses plötzliche Konfrontiert-sein mit einer Situation, wie man sie sich vorher nie hätte vorstellen können, hat auch viel Kreativität und Lösungsbewusstsein hervorgebracht. Allein die Digitalisierung hat auch in bisher noch nicht so betroffenen Branchen einen Riesenschritt nach vorne gemacht – Lebensmittelgeschäfte mussten plötzlich mit einem viel größeren Andrang auf ihren Onlineshop zurechtkommen, viele kleinen Geschäfte haben überhaupt erst auf online umgestellt, Schulen haben auf Homeschooling umgestellt – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Insbesondere der erste Lockdown im März stellte Unternehmen vor große Herausforderungen, Flexibilität und Innovation waren die großen Schlagworte. Wie kamen die von Ihnen befragten Unternehmen mit diesen Punkten zurecht?

Andrea Pramböck: Große Unternehmen waren schon vor der Krise in der Digitalisierung, nur hatte man sich auf Kunden und Produkte konzentriert und nicht auf alle eigenen Mitarbeiter. Da nun fast alle Mitarbeiter plötzlich aus dem Homeoffice gearbeitet haben, mussten man sich mit Themen wie Datenschutz, Zugangsrechten zu Systemen, Cyber Security im vermehrten Ausmaß beschäftigen. Wer aus dem Homeoffice worauf Zugriff hat und welche Systeme für diesen vermehrten Zugriff von außen auch gerüstet sein mussten, war somit neben dem Online-Geschäft großes Thema der ersten Wochen.

Mit der Initiative soll auch eine gegenseitige Unterstützung geschaffen werden – Unternehmen teilen ihre Erfahrungen, damit auch andere davon lernen können. Haben Sie den Eindruck, die Wirtschaft ist durch die Krise näher zusammengerückt?

Andrea Pramböck: Ich habe den Eindruck, dass die Krise durch die anfängliche Angst, man könnte nicht ausreichend und sicher versorgt werden, eine verstärkte Priorisierung auf dem heimischen Markt ausgelöst hat. Wir waren und sind es auch sicher noch gewöhnt, unabhängig von lokalen Jahreszeiten/Gegebenheiten, Lebensmittel etc. von überall her beziehen zu können und auch zu wollen. Hier hat aufgrund der Krise ein Umdenken auf den heimischen Markt in Bezug auf die eigene Saisonalität stattgefunden – sowohl in der Produktion von bisher aus dem Ausland Bezogenen, wie beispielsweise MNS oder Impfstoffen, als auch in der Präferenz heimischer Produkte generell.

Import wird es natürlich auch weiterhin geben – dieser ist schon aufgrund der internationalen Vernetzung sinnvoll und auch notwendig –, aber der in den letzten Jahren immer stärker werdende Förderung der heimischen Wirtschaft und auch Konzentration auf unseren heimischen „Biokreislauf“ wurde durch die Krise ein besonderes Augenmerk zuteil.

Demnach würde ich sagen, die lokale Wirtschaft ist generell näher zusammengerückt und die internationale Wirtschaft einer verstärkten Analyse in Bezug auf Notwendigkeit, Sinnhaftigkeit und Klimaauswirkungen unterzogen worden bzw. wird sie es.

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