„Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erweist sich die bloße Kenntnis des Rechts alleine als nicht ausreichend; dessen Anwendung bedarf zudem der eingehenden Analyse der wirtschaftlichen und auch menschlichen Aspekte, um passende Lösungen und gangbare Wege aus der Krise zu finden.“, sagt Nikolaus Vogt, Experte für Recht, Rechtsanwalt für Immobilien-, Gesellschafts- und Unternehmensrecht.

#lernenausderkrise ist Österreichs erste Corona Deep Dive Learning Initiative über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen. Was hat Sie dazu bewogen, bei dem Projekt mitzuwirken? 

Nikolaus Vogt: Der Kontakt ergab sich eher zufällig, aber die Idee, der Zugang, das Ziel und die beteiligten Personen haben mich rasch überzeugt sein lassen, dass hier ein Projekt umgesetzt wird, das für ganz viele Unternehmen einen Mehrwert haben wird. Und Mehrwert für andere zu schaffen, ist für mich als Wirtschaftsanwalt tägliche Aufgabe.

Unterschiedliche Branchen sind auch unterschiedlich stark von der Krise betroffen: Welche Stimmung konnten Sie bei Ihren Interviews wahrnehmen?

Nikolaus Vogt: In meinem Bereich – Recht – herrschte branchenübergreifend grundsätzlich eher Gelassenheit denn Hysterie vor; natürlich gab es meist Mehraufwand und teilweise eine Flut an neuen Rechtsfragen, die neben dem großteils „ganz normal“ weiter laufenden Tagesgeschäft zu klären waren. Selbst die Mitarbeiter im Bereich Recht jener Unternehmen und Organisationen, die am massivsten betroffen waren, zeichneten sich offenkundig durch Übersicht und die Fähigkeit aus, flexibel und gut strukturiert vorzugehen. So hoffnungslos die Situation teilweise auch geschienen haben mag, Juristen tendieren offenbar nicht dazu, den Verstand zu verlieren. Wenn ich mich an Diether Nuhr anlehnen darf: Das hilft ja nicht!

Insbesondere der erste Lockdown im März stellte Unternehmen vor große Herausforderungen, Flexibilität und Innovation waren die großen Schlagworte. Wie kamen die von Ihnen befragten Unternehmen mit diesen Punkten zurecht?

Nikolaus Vogt: Herausforderungen, Flexibilität und Innovation sind tägliches Brot der Juristen in Unternehmen und Organisationen; hier freilich unter enormem Zeitdruck, teilweise auf völlig unbekanntem Terrain. Unterschiede des Zurechtkommens gab es am ehesten je nach „Zustand“ der Digitalisierung, der technischen Möglichkeiten und der Fähigkeiten im Bereich („virtueller“) Mitarbeiterführung.

Gibt es eine außergewöhnliche Geschichte aus der Praxis, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und die Sie mit uns teilen können?

Nikolaus Vogt:  Eine Geschichte ist es nicht, aber die Aussage (ohne hier irgendjemandem zu nahe treten zu wollen), dass die Krise „den letzten Bankbeamten ausgerottet“ hat, gefiel mir. Sie zeigt, wie sehr (vor allem) auch im rechtlichen Bereich Innovation, Digitalisierung, Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen erforderlich sind, um erfolgreich und gemeinsam schwierige Zeiten zu meistern.

Mit der Initiative soll auch eine gegenseitige Unterstützung geschaffen werden – Unternehmen teilen ihre Erfahrungen, damit auch andere davon lernen können. Haben Sie den Eindruck, die Wirtschaft ist durch die Krise näher zusammengerückt?

Nikolaus Vogt:  Nein, wirklich nicht – jeder ist und bleibt sich selbst doch der Nächste. Gerade mein Beruf bringt es aber mit sich, anderen zu helfen, sie zu beraten und andere im Bereich meiner Möglichkeiten zu unterstützen. Gerade deswegen passt unser Projekt auch zu mir, weil es ja zum Ziel hat, vielen mit dem Wissen und den Erkenntnissen einzelner zu helfen. Ich würde also nicht von „Zusammenrücken“ sprechen, sondern vielleicht von der Erkenntnis, nicht alleine zu sein, und dass viele andere vor denselben Problemen stehen. Sich dazu auszutauschen und voneinander zu lernen, ist zwar nicht neu, aber in Krisenzeiten vielleicht häufiger anzutreffen.

Was macht die Erkenntnisse, die Sie bei Ihren Interviews gewinnen konnten, auch für andere Krisen so nützlich?

Nikolaus Vogt:  Juristen sind es gewohnt, „wenns“ und „abers“ abzuwägen, Varianten durchzuspielen, eine Alternative und Auswege zu suchen, auf Notfälle vorbereitet zu sein. Wie sehr aber Vorausplanung und das Vorhandensein von Notfallplänen, die freilich auch regelmäßig durchgespielt und „getestet“ werden müssen, Bedeutung haben, ist, denke ich, vielen erst jetzt bewusst geworden. Natürlich werden vorhandene Pläne und Strategien nicht immer „1:1“ verwendbar sein; aber, um es sozusagen juristisch auszudrücken: Analogien kommen beim Vorhandensein von Lücken zur Anwendung – die analogiefähige Norm muss man aber schon auch kennen.

Warum sollte das Arbeitsbuch „Lernen aus der Krise“ Ihrer Meinung nach in keinem österreichischen Unternehmen fehlen?

Nikolaus Vogt:  Das Buch wird so vielfältig sein wie die Vielfalt an Unternehmen und an Bereichen in einem Unternehmen. Jeder relevante Bereich und jede Branche wird beleuchtet – für absolut jeden ist etwas dabei.

New call-to-action

Meistgelesen