Eine Wirtschaft mit Vollbeschäftigung, wo alle gut verdienen, wird unbeweglich. Die Krise hat alle aufgerüttelt. „Weiter so wie immer“ funktioniert nicht mehr. Man arbeitet wieder viel stärker an Zukunftsthemen und probiert neue Strategien aus, sagt  Roland Heiml, Experte für Forschung & Entwicklung.

#lernenausderkrise ist Österreichs erste Corona Deep Dive Learning Initiative über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen. Was hat Sie dazu bewogen, bei dem Projekt mitzuwirken?

Roland Heiml: Die Chance, neue Kontakte zu knüpfen, interessante Menschen kennenzulernen, mich selbst weiterzubilden und einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Unterschiedliche Branchen sind auch unterschiedlich stark von der Krise betroffen: Welche Stimmung konnten Sie bei Ihren Interviews wahrnehmen?

Roland Heiml: Sehr unterschiedlich: Gelassenheit bei den Profiteuren der Krise (z.B. Rechtanwaltskanzleien) und pure Verzweiflung bei den Verlierern, die es besonders hart traf (Aerospace-Zulieferer).

Insbesondere der erste Lockdown im März stellte Unternehmen vor große Herausforderungen, Flexibilität und Innovation waren die großen Schlagworte. Wie kamen die von Ihnen befragten Unternehmen mit diesen Punkten zurecht?

Roland Heiml: Die meisten Unternehmen kamen sehr gut zurecht. F&E-Mitarbeiter sind von Natur aus beweglich und passten sich schnell an die neue Situation an. Ein typischer Effekt in Krisenzeiten: trotz Kürzung der Arbeitszeit kamen die F&E-Projekte sehr gut voran. Man konzentrierte sich auf das Wesentliche und ließ sich nicht ablenken.

Gibt es eine außergewöhnliche Geschichte aus der Praxis, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und die Sie mit uns teilen können?

Roland Heiml: Ein Unternehmen hatte vor der Krise bereits fertige Pandemiepläne. Lange vor Beginn des Lockdowns war bereits alles organisiert. Aktuell bereitet man sich auf die nächsten möglichen Krisen vor und hat auch dafür fertige Pläne, z.B. Finanzkrise, Inflationskrise, Umweltkrise etc.).

Mit der Initiative soll auch eine gegenseitige Unterstützung geschaffen werden – Unternehmen teilen ihre Erfahrungen, damit auch andere davon lernen können. Haben Sie den Eindruck, die Wirtschaft ist durch die Krise näher zusammengerückt?

Roland Heiml: Ja auf jeden Fall. Man ist wieder mehr aufeinander angewiesen und es entstehen neue Partnerschaften. Ein angenehmer Nebeneffekt der vielen Videokonferenzen: Gerade die internationalen Kontakte wurden wesentlich mehr und häufiger.

Was macht die Erkenntnisse, die Sie bei Ihren Interviews gewinnen konnten, auch für andere Krisen so nützlich?

Roland Heiml: Eine Wirtschaft mit Vollbeschäftigung, wo alle gut verdienen, wird unbeweglich. Die Krise hat alle aufgerüttelt. „Weiter so wie immer“ funktioniert nicht mehr. Man arbeitet wieder viel stärker an Zukunftsthemen und probiert neue Strategien aus.

Warum sollte das Arbeitsbuch „Lernen aus der Krise“ Ihrer Meinung nach in keinem österreichischen Unternehmen fehlen?

Roland Heiml: Es ist kein Buch, das man liest wie einen Roman. Es ist ein hochkarätiges Nachschlagewerk, vergleichbar mit Wikipedia. Wenn man greifbare Lösungen zur Krisenbewältigung sucht, wird man fündig – unabhängig von der Branche oder dem Fachbereich.

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