„Der Ausfall an Werbeerlösen zwingt jene Medien in die Knie, die nicht über genügend Reserven verfügen. Alle nicht gemachten Hausaufgaben rächen sich jetzt, zum Beispiel keine oder nur inkonsequent etablierte digitale Erlösmodelle.“ sagt Stefan Ströbitzer, Experte für Kommunikation, Projektleiter Multimedialer Newsroom ORF.

#lernenausderkrise ist Österreichs erste Corona Deep Dive Learning Initiative über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen. Was hat Sie dazu bewogen, bei dem Projekt mitzuwirken? 

Ich fand die Idee einer Gesamtschau überzeugend, um Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ganzheitlich auf die Learnings zu blicken.

Unterschiedliche Branchen sind auch unterschiedlich stark von der Krise betroffen: Welche Stimmung konnten Sie bei Ihren Interviews wahrnehmen?

Ich habe gespürt, wie engagiert meine Interviewpartner der Krise entgegentreten und versuchen, sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen. Resignation oder Depression habe ich nicht erlebt, eher eine gewisse Erschöpfung gepaart mit neuer Zuversicht.

Insbesondere der erste Lockdown im März stellte Unternehmen vor große Herausforderungen, Flexibilität und Innovation waren die großen Schlagworte. Wie kamen die von Ihnen befragten Unternehmen mit diesen Punkten zurecht?

Sie hatten – wie wir alle – sehr viel zu tun, ihr Geschäftsmodell und ihre Mitarbeiter gut ins Homeoffice und die hunderten Videokonferenzen zu übersiedeln. Alle waren da stark gefordert, niemand war wirklich gut vorbereitet. Danach waren alle erstaunt, wie gut das funktioniert und haben sich darauf eingelassen. Seitdem entsteht ein neuer Geist, die früher oft vorherrschende Skepsis gegenüber neuen Wegen ist geringer geworden.

Gibt es eine außergewöhnliche Geschichte aus der Praxis, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und die Sie mit uns teilen können?

Außergewöhnlich habe ich zum Beispiel in Erinnerung, wie die Fa. Frauscher Boats auf das Ausfallen aller Bootsmessen reagiert hat, indem sie begonnen haben, Boote an Punkte zu bringen, wo potenzielle Interessenten sind, also zum Beispiel an den Neusiedler und Wörther See. Und dann haben sie dort individuell die Boote präsentiert und zu Probefahrten eingeladen. Dieses „Format“ der direkten Kundenkontakte hat sich sehr bewährt und soll beibehalten werden.

Mit der Initiative soll auch eine gegenseitige Unterstützung geschaffen werden – Unternehmen teilen ihre Erfahrungen, damit auch andere davon lernen können. Haben Sie den Eindruck, die Wirtschaft ist durch die Krise näher zusammengerückt?

Keine Ahnung, ich glaube nicht. Am Ende schauen alle auf ihr eigenes Unternehmen und zwar zu Recht. Manager haben primär Verantwortung für das ihnen anvertraute Unternehmen und die dort beschäftigten Mitarbeiter.

Was macht die Erkenntnisse, die Sie bei Ihren Interviews gewinnen konnten, auch für andere Krisen so nützlich?

Es lassen sich daraus gut Thesen für die Zeit nach COVID-19 bilden. Was wird bleiben, was wird anders, was wird wieder so, wie es war? Ich denke, da steckt viel Kraft für Phantasie für die Post-COVID-Ära drinnen.

Warum sollte das Arbeitsbuch „Lernen aus der Krise“ Ihrer Meinung nach in keinem österreichischen Unternehmen fehlen?

Es bietet eine geballte Ladung an Wissen und Insights aus allen Unternehmensbereichen und ist damit ein Stück weit wie ein Wiki für Krisenmanagement zu gebrauchen.

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