Gewaltprävention ist ein zentrales Thema im Kinder- und Jugendschutz. Es umfasst Maßnahmen und Strategien, um Gewalt vorzubeugen und Kindern sowie Jugendlichen ein sicheres Umfeld zu bieten. Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick über verschiedene Formen der Gewaltprävention und zeigt, wie Fachkräfte, Schulen und Eltern zur Förderung eines gewaltfreien Lebensraums beitragen können.
Inhaltsverzeichnis
Definition: Was bedeutet Gewaltprävention?
Gewaltprävention umfasst Maßnahmen, um Gewalt vorzubeugen und deren Auswirkungen zu vermeiden.
Das Ziel ist es, Risikofaktoren für Gewalt frühzeitig zu erkennen und diesen durch gezielte Präventionsmaßnahmen entgegenzuwirken.
In Bezug auf Kinder- und Jugendschutz stellt Gewaltprävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar, die von Schulen, Eltern, Fachkräften und Institutionen gemeinsam getragen wird.
Dadurch sollen langfristig sichere und gesunde Entwicklungsumfelder für Kinder und Jugendliche geschaffen werden.
Welche Maßnahmen zur Gewaltprävention gibt es?
Was ist primäre Gewaltprävention?
Die Primärprävention setzt vor dem Auftreten von Gewalt an und richtet sich an alle Kinder und Jugendlichen. Ziel ist es, Gewalthandlungen gar nicht erst entstehen zu lassen.
Maßnahmen der primären Prävention sind zum Beispiel:
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Grundsatzerklärungen gegen Gewalt (z.B. in Gewaltschutzkonzepten)
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Schulprojekte zur Förderung sozialer Kompetenzen
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Programme wie Anti-Mobbing-Workshops oder Kampagnen für gewaltfreie Kommunikation
Was ist sekundäre Gewaltprävention?
Die Sekundärprävention setzt an, sobald erste Anzeichen für Gewalt erkennbar sind. Sie richtet sich konkret an Kinder und Jugendliche mit ersten Gewalttendenzen.
Diese Form der Gewaltprävention zielt darauf ab, eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern.
Beispiele für die sekundäre Prävention sind:
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Anti-Gewalt-Trainings oder Anti-Aggressions-Therapien
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Strategien zur Konfliktlösung wie Mediation oder Schlichtung
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Interventionen wie Deeskalation
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Mentorenprogramme oder sozialpädagogische Beratungen
Was ist tertiäre Gewaltprävention?
Die Tertiärprävention wendet sich an jene Personen, die bereits auffällig, gewalttätig oder straffällig geworden sind. Sie verfolgt das Ziel, weitere Gewalthandlungen zu verhindern und die Betroffenen zu stabilisieren.
Wichtige Maßnahmen der tertiären Prävention umfassen:
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Therapieangebote für Opfer und Täter:innen
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Programme zur Resozialisierung in die Schule oder Gesellschaft
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Täter:in-Opfer-Ausgleich
Maßnahmen in der Praxis: Was Fachkräfte zur Prävention von Gewalt tun können
Fachkräfte wie pädagogisches Personal, Sozialarbeitende oder Mitarbeiter:innen in der Kinder- und Jugendhilfe spielen eine zentrale Rolle in der Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen.
Ihre Arbeit erfordert sowohl vorbeugende als auch intervenierende Ansätze, um Kinder und Jugendliche zu schützen und ihnen ein sicheres, gewaltfreies Umfeld zu bieten.
Die folgenden Maßnahmen können Fachkräfte ergreifen, um Gewalt an Schulen oder in Kinder- und Jugendorganisationen vorzubeugen:
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Gewaltschutzkonzepte entwickeln
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Programme und Workshops durchführen
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Mit Eltern und anderen Fachkräften zusammenarbeiten
Gewaltschutzkonzepte entwickeln
Ein gut durchdachtes Gewaltschutzkonzept bildet die Grundlage für die Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Dieses beschreibt, wie eine Organisation den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Mitarbeitenden vor Gewalt sicherstellt. Dabei werden klare Anforderungen, Verfahren und Maßnahmen festgelegt, um sowohl vorbeugend als auch im Falle von Gewaltsituationen professionell handeln zu können.
Was gehört in ein Gewaltschutzkonzept?
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Grundsatzerklärungen und Leitlinien, die eine klare Positionierung gegen Gewalt festlegen und Werte wie Toleranz, Respekt und ein faires Miteinander betonen
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Verhaltensregeln und Hausordnungen, die Verhaltensweisen sowie Konsequenzen bei Regelverstößen definieren
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Verschiedene Präventionsmaßnahmen wie Workshops, Schulungen oder Sensibilisierungskampagnen, die gezielt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Einrichtung zugeschnitten sind
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Krisen- und Notfallpläne, die Handlungsanleitungen inkl. Schutzmaßnahmen bei Gewaltsituationen oder Verdachtsfällen bieten
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Entsprechende Nachsorgemaßnahmen zur Betreuung und Unterstützung von Betroffenen
Lesetipp: So erstellen Sie ein effektives Kinderschutzkonzept in 5 Schritten
Programme und Workshops durchführen
Fachkräfte können gezielt Workshops und Programme einsetzen, um soziale Kompetenzen zu fördern und Gewalt vorzubeugen.
Diese Angebote richten sich sowohl an Kinder und Jugendliche als auch an Eltern und Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.
Einige Beispiele:
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Workshops zur Konfliktlösung und Deeskalation
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Schulungen für Empathie und Teamfähigkeit
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Schwerpunkte wie geschlechterreflexive Ansätze
Für mehr Infos: Die OeAD (Agentur für Bildung und Internationalisierung) bietet eine Vielzahl von Bildungsformaten zur Extremismusprävention an, die speziell für Schulen und Bildungseinrichtungen in Österreich konzipiert sind. Die Formate reichen von Gewaltprävention über Zivilcourage bis zu Inklusion.
Mit Eltern und anderen Fachkräften zusammenarbeiten
Die Zusammenarbeit mit Eltern und Kolleg:innen ist ein wesentlicher Bestandteil der Gewaltprävention.
Denn eine enge Kooperation zwischen allen Beteiligten schafft ein starkes Unterstützungsnetzwerk und sorgt dafür, dass Präventionsmaßnahmen effektiv umgesetzt werden können.
Fachkräfte können:
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Elternabende und Beratungsangebote organisieren, um das Bewusstsein für gewaltfreie Erziehung und den Umgang mit Konflikten zu schärfen.
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Netzwerke mit Fachkräften anderer Institutionen aufbauen, um sich über Präventionsmaßnahmen auszutauschen und gemeinsam Lösungen gegen Gewalt zu finden.
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Frühwarnsysteme einführen, um gemeinsam mögliche Gefährdungen zu erkennen und darauf zu reagieren.
Fachliche Unterstützung: Praxishandbuch Kinder- und JugendschutzDas Praxishandbuch Kinder- und Jugendschutz stellt für Organisationen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, eine wertvolle Unterstützung dar.
Mit diesem Handbuch können Fachkräfte nicht nur in Verdachtsfällen professionell handeln, sondern auch effektive Maßnahmen zur Prävention von Gewalt umsetzen. |
Häufig gestellte Fragen
Was sind Anzeichen für Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen?
Anzeichen können vielfältig sein und sowohl physischer als auch psychischer Natur. Dazu gehören z.B. plötzliche Verhaltensänderungen, Aggressivität, Rückzug oder plötzlicher Leistungsabfall in der Schule.
Es ist wichtig, sensibel auf solche Signale zu reagieren und bei Verdacht das Gespräch zu suchen oder Fachkräfte wie Psycholog:innen oder spezialisierte Beratungsstellen hinzuzuziehen.
Welche Unterstützungsangebote gibt es für Fachkräfte bei Gewaltprävention?
Es gibt verschiedene Unterstützungsangebote für Fachkräfte, wie Schulungen, Beratungen durch Fachstellen (z.B. Gewaltschutzzentren Österreichs) oder Leitfäden. Hier empfehlen wir Ihnen das Praxishandbuch Kinder- und Jugendschutz, das mit Vorlagen und Handlungsempfehlungen bei der Entwicklung von Gewaltschutzkonzepten und beim Umgang mit Verdachtsfällen unterstützt.
Wie können Eltern zur Gewaltprävention beitragen?
Eltern können eine wichtige Rolle spielen, indem sie ihren Kindern ein Vorbild für respektvolles und wertschätzendes Verhalten sind. Offene Kommunikation und die Teilnahmen an Workshops oder Präventionsprogrammen können dazu beitragen, Konflikte zu lösen und Gewalt zu verhindern.
Wie können Fachkräfte in Krisensituationen souverän und effektiv reagieren?
In Krisensituationen sollten Fachkräfte ruhig bleiben und professionell handeln. Klare Handlungsanweisungen, wie sie in einem Gewaltschutzkonzept festgelegt sind, helfen dabei, systematisch vorzugehen. Priorität hat der Schutz der Betroffenen, gefolgt von der Deeskalation der Situation. Zudem sollten Fachkräfte nach der akuten Phase professionelle Unterstützung einholen, um die Situation gründlich aufzuarbeiten und langfristige Maßnahmen einzuleiten.